Du bist nicht erschöpft,
weil du zu viel tust.
Du bist erschöpft,
weil du nie einfach nur sein durftest.
Viele Frauen haben nicht gelernt,
dass ihr Dasein genügt.
Nicht, weil es ihnen jemand gesagt hat.
Sondern weil es nie selbstverständlich spürbar war.
Und wenn Dasein nicht genügt,
beginnt man zu leisten.
Man wird:
angenehmer.
verständnisvoller.
rücksichtsvoller.
unauffälliger.
stärker.
Nicht aus Ehrgeiz.
Sondern um zu bleiben.
Du erklärst dich,
bevor dich jemand kritisiert.
Du entschuldigst dich,
obwohl niemand dich angegriffen hat.
Du passt dich an,
bevor jemand etwas fordert.
Du spürst Stimmungen,
bevor sie ausgesprochen werden.
Und nennst das „Feinfühligkeit“.
Aber unter dieser Feinfühligkeit
liegt oft etwas anderes:
Wachsamkeit.
Die leise Frage:
Bin ich gerade richtig?
Bin ich zu viel?
Oder nicht genug?
Scham entsteht hier nicht,
weil etwas falsch ist.
Sondern weil Sichtbarkeit nie neutral war.
Gesehen zu werden
war nicht sicher.
Also lernt man:
sich kleiner zu machen.
sich früher zu erklären.
sich schneller anzupassen.
sich emotional zu regulieren,
bevor es jemand verlangt.
Nicht gesehen zu werden
wurde zur Form von Schutz.
Sich anzupassen
zur Form von Stabilität.
Und irgendwann fühlt sich das an
wie Identität.
Aber Identität war es nie.
Es war Überleben.
Das Problem ist nicht dein Verhalten.
Es ist, dass dein System gelernt hat:
Sicherheit entsteht durch Anpassung.
Zugehörigkeit entsteht durch Leistung.
Liebe entsteht durch Funktionieren.
Und solange das unbewusst aktiv ist,
wirst du immer wieder:
– Männer anziehen, die du emotional halten musst
– Beziehungen führen, in denen du mehr gibst als bekommst
– Konflikte vermeiden, indem du dich zurücknimmst
– stark wirken und innerlich allein sein
Nicht, weil du schwach bist.
Sondern weil dein System auf Überleben optimiert wurde.